Tag-Archiv für 'Saatgut'

Europäische Bauern wollen keine Gentech-Pflanzen

Marianne Künzle, Greenpeace Schweiz

Marianne Künzle

Während in der nächsten Session das Parlament höchstwahrscheinlich das Anbau-Moratorium für Gentech-Pflanzen um weitere drei Jahre verlängern wird, tut sich in unseren Nachbarländern auch einiges: die EU-Anbauflächen der einzigen zugelassenen Gentech-Pflanze, einem insektenabtötenden Mais, schrumpfen! Nach EU-Angaben im letzten Jahr um 11 Prozent!

Das hat politische und ökonomische Gründe: einerseits haben Frankreich und jüngst Deutschland kurzerhand ein Anbauverbot verhängt und gehören damit zu einer ganzen Zeile von EU-Staaten, die Gentech-Pflanzen auf dem Acker verbieten. Andererseits ist Gentech-Saatgut teuer. Auch wenn ein Bauer auf Gentech-Saat nicht verzichten will, tut er es des öfteren trotzdem. Der Unterschied dürfte noch nicht so krass sein wie in Nordamerika, wo Gentech-Saatgut in den letzten 10 Jahren um über 200% teurer geworden ist. Aber das teure Saatgut ist in Europa schlecht investiert. Die Ernte lässt sich nämlich nicht immer verkaufen, weil viele Menschen gentechfreie Lebensmittel fordern.

Bookmark and Share

Monsantos Preispolitik

Wie abhängig macht Gentech-Saatgut? Seit der Einführung von genmanipulierten Pflanzen vor rund 10 Jahren sind in Nordamerika die Preise für genmanipuliertes Saatgut um ein Mehrfaches angestiegen. Da dürfte man erwarten, dass Bauern wieder zum Altbewährten wechseln und wieder gentechfreien Raps anbauen. Nur – Retour geht nicht mehr, weil die den Markt dominierenden Agro-Konzerne tunlichst geschaut haben, dass gentechfreies Saatgut praktisch nicht mehr erhältlich ist.

Soeben hat Monsanto – Gentech-Multi No 1 – verlauten lassen, dass die neuste Gentech-Sojabohne oder der brandneue Gentech-Mais, welcher nicht nur eines, sondern gleich mehrere Frassinsekten vergiftet, bis zu 40% mehr kosten soll als die älteren. Das obwohl schon diese im Vergleich zu gentechfeiem Saatgut viel teuerer sind. Die Kostenspirale dreht sich, wer das Sagen hat ist unmissverständlich…

Wie entwendet man dezent aber ebenso wirksam einem Mächtigen das Zepter und nimmt es wieder zurück in seine Hand? Mischen sie sich ins politische Tagesgeschehen ein, schreiben Sie Leserbriefe, Engagieren Sie sich beim Einkaufen und warum auch nicht von Michelle Obamas Garten wieder lernen? Selber Gemüse anbauen – auch das kann ein politischer Akt sein.

Bookmark and Share