Freitagmorgen, nach 4 schlaflosen Nächten, ist mir speiübel und ich habe Schwindelanfälle, die den ganzen Tag anhalten. So liege ich also im Greenpeace-Büro im Materialmagazin, von Zeit zu Zeit schauen die Freiwilligen herein, bringen mir Tee oder Wasser, Kohletabletten oder gar eine Schleimsuppe. Man will mich ins Spital bringen, und ich wäre eigentlich so weit. Aber dann entscheidet sich Ragil, eine der Freiwilligen, mir eine traditionelle Aromatherapie zu verabreichen.
Im traditionellen Verständnis leide ich an „Masuk Angin“, was soviel wie „ drinnen Wind “ heisst. Damit meinen die Indonesier, dass sich durch den Klimawechsel, die verschmutzte Stadtluft, den Schlafmangel, den Stress und das ungewohnte Essen zuviel schlechte Luft in mir angestaut hat. Um sie los zu werden, reibt man den Oberkörper mit Cajeput-Öl mittels einer Münze ein. Wenn rote Striemen zurückbleiben, dann heisst das, dass die Masuk Angina austritt und der Heilungsprozess eintritt. Diese Prozedur, genannt „Krokint“, dauert etwa zwei Stunden und kann schmerzhaft sein.
Man denke nun nicht, die Therapie habe im stillen Kämmerchen stattgefunden. Es waren immer mindestens 5 Zuschauer dabei, die sich über meinen Zustand unterhielten. Sie begutachteten die Therapie und das, was sie auf meinem Rücken anrichtete und lachten selbstverständlich ausgiebig – sei es, um mich aufzuheitern oder weil ich schon nach 5 Tagen einen Krokint offeriert bekam und mich für die Therapie anstatt für das Spital entschieden habe.
Die Arbeit bei Greenpeace beginnt schon am Dienstag. Ich erfahre, dass das Freiwilligenteam genau noch zwei Tage Zeit hat, den Finanzantrag für die Forest Defender Camp Satellite Station FDCSS in Jakarta einzureichen, wenn es sie überhaupt noch geben soll. Okay, das bedeutet für mich: Wieder durcharbeiten, nonstop! Und so machen wir uns daran – Didit, der Freiwilligenkoordinator, Afif, Journalist und Greenpeace-Freiwilliger, und ich. Am Donnerstag ist unser Vorschlag von der Kampagnenleitung angenommen und wir können mit der Umsetzung anfangen.
Wir haben noch 12 Tage Zeit, um 25′000 Greenpeace UnterstützerInnen per Mail, SMS und Telefon einzuladen. Gleichzeitig haben wir die Aufgabe, 4 Tage Talkshow und Entertainment und 10 Tage Interaction mit 6000 BesucherInnen vorzubereiten und ein traditionelles Sumatra-Versammlungshaus aus Bambus mitsamt Ausstellung aufzubauen. Ausserdem müssen wir 80 Freiwillige aufbieten und ausbilden, die Presse mobilisieren und die Botschafter aus zehn Ländern sowie die politischen und religiösen Entscheidungsträger einladen. Zu guter Letzt kommen wir nicht umhin, die definitive Genehmigung für den Veranstaltungsort (vor dem Nationalmonument im Zentrum Jakartas) und das fehlende Geld aufzutreiben.
Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, aber es herrscht eine Atmosphäre der Zuversicht unter den 10 Mitgliedern des Organisationsteams, das aus 7 Freiwilligen, Didit und Dina, den Freiwilligenkoordinatoren, und mir besteht. Nach Monaten der Ungewissheit wollen wir diese Sache endlich durchziehen. Gemeinsam werden wir hoffentlich allen Zweiflern und Kritikern zeigen, wozu eine hochmotivierte Truppe imstande ist. Nun, wir werden es ja sehen. Ich habe mich jedenfalls von diesem Ehrgeiz anstecken lassen…
Sampai jumpah dan besok pagi! Bis morgens! Christian
Hoi, allerseits! Es geht weiter.
Ankunft in Jakarta. Nach der Zollabfertigung am Flughafen empfangen mich die erdrückende Hitze sowie Arthur, Greenpeace-Freiwilliger, der mir sogleich das Haus seiner Schwester als Unterkunft anbietet. Ich willige ein, da ich ja schliesslich bei den Leuten wohnen und was von der hiesigen Kultur mitbekommen will und nicht nur im Ausländer-Ghetto verbleiben möchte. Das ist aber leichter gesagt als getan, denn Sprache und Sitten kennenzulernen bedarf einer Anstrengung, Beharrlichkeit und vor allem Zeit.
Aber gerade die Zeit fehlt mir. Wer schon für Greenpeace gearbeitet hat, weiss, wie hektisch es im Vorfeld von grossen Events, Aktionen und Kampagnen zugeht. Das internationale Greenpeace-Projekt „Road to Bali“ sieht ohne Verschnaufpausen reihenweise grosse publizitäre oder politische Geschichten vor: Zuerst das Forest Defender Camp (FDC) in Riau, Sumatra, dann die Forest Defender Camp Satellite Station (FDCSS), danach die Rainbow Warrior-Ankünfte in Singapore und Jakarta, dann das Klimakonferenz in Bali. Meine Aufgabe ist es, als Coach und «Capacity Builder» des Youth Support Centers (YSC) von Greenpeace International dafür zu sorgen, dass die geplanten Greenpeace-Jugendaktivitäten sich durch Qualität auszeichnen und schliesslich in langfristige Jugendaktivitäten von Greenpeace Indonesien münden.
Wie ihr seht, habe ich als YSC-Coach schon so viel zu tun, dass ich meinen Aufenthalt im Forest Defender Camp in Riau, Sumatra, auf Mitte November verschieben musste. Wer aber jetzt schon was darüber lesen will, geht auf die Greenpeace International-Website.
Halo, apa kabar? Wie geht’s? Ich bin mittlerweile schon über eine Woche in Jakarta, der Hauptstadt Indonesiens. Kaum angekommen wurde ich sofort von der Hektik des Greenpeace Indonesia-Betriebes erfasst. Darüber erfahrt ihr bald mehr, jetzt zuerst mal der Reihe nach.
Mit zwei schlaflosen Nächten fängt die Reise nach Indonesien an. Die erste Freinacht war, wie zu erwarten, vor der Abreise, weil ich in letzter Minute noch einiges erledigen musste. Die zweite Nacht ohne Schlaf hatte mit der Wahl des Transportmittels zu tun. Ich kann im Flugzeug selten schlafen, vor allem nicht, wenn unter mir die halbe Welt vorbeihuscht. Zuerst die Alpen, dann Griechenland, Palästina, Arabien, Indien, Malaysia und schliesslich die Insel Java.
So weit zur Anreise, beim nächsten Eintrag erzähl ich euch mehr über Indonesien selber!
Selamat malam, schönen Abend, denn hier ist es 5 Stunden später, Christian
Endlich hat es geklappt mit der Internet-Verbindung in Jakarta, besser gesagt, endlich weiss ich, wann ich im Büro von Greenpeace Indonesien mit vernünftiger Geschwindigkeit im Internet surfen kann und wo leistungsfähige Internet-Cafes sind. Berichten, ohne ein Magengeschwür zu riskieren! Yeah!
Apropos Urwaldschutz-Station in Sumatra: Eigentlich hätte ich schon dort sein sollen. Wie ihr sicherlich mitbekommen habt, wurde mein Aufenthalt verschoben, nämlich auf den 15. November. Bis dahin arbeite ich als Coach des Youth Support Centers (YSC) von Greenpeace International mit den indonesischen Freiwilligen-Koordinatoren zusammen und organisiere verschiedene Aktivitäten mit Jugendlichen bis hin zur Klimakonferenz der UNO in Bali, ab 3. Dezember.
Da mein Arbeitsort sich vorderhand in der 20-Mio-Stadt Jakarta befindet, und nicht im Sumatra-Urwald, werde ich von hier berichten, von der Arbeit mit den Freiwilligen, mit den Jugendlichen, von den von uns organisierten Events, aber natürlich auch von persönlichen Erlebnissen, selbst wenn sie nicht direkt was mit der Greenpeace-Arbeit zu tun haben sollten. Ich hoffe, es ist interessant. Meine Absicht ist, Euch dieses Land etwas näher zu bringen – auf dass ihr als Touris oder Holzkonsumenten (kauft FSC!) Einfluss nehmt.
Der 37-jährige Basler Christian Gyr konnte bis jetzt nicht über seine Aktivitäten in Indonesien bloggen, weil der Internet-Zugang im Greenpeace Indonesien-Büro momentan begrenzt ist. Ursprünglich wollte Christian zu Beginn seines dreimonatigen Aufenthalts in Indonesien eine Woche im Urwaldschutz Camp in Riau/Sumatra teilnehmen und sich danach in Jakarta den Aufbau der Jugendprojekte «on the road to Bali» widmen. Da es immer anders kommt als man denkt, wird er nun erst am 15. November zum Urwaldschutz Camp stossen.
Wir entschuldigen uns hiermit bei den Leuten, die bis jetzt vergeblich nach seinem Blogg gesucht haben und warten nun gespannt auf Christians ersten Bloggeintrag über seine gegenwärtige Arbeit in Jakarta als Coach im Rahmen des Greenpeace Youth Support Centers YSC.
Die Wahlen07 waren zumindest teilweise Klimawahlen, in denen das Schweizer Volk seine grosse Sorge um den Klimawandel zum Ausdruck gebracht hat. Die Sitzgewinne der Grünen Partei belegen dies. Greenpeace hofft, dass die Grünen zusammen mit den leider geschwächten SP-VertreterInnen im neuen Parlament eine künftig pointiertere Klimapolitik voranbringen werden. Zu beachten ist, dass das bisherige Verhältnis zwischen links und bürgerlich nur mit den neuen Sitzen der Grünliberalen Partei gehalten werden kann.
Die Stimmen der Grünliberalen und der insgesamt stabilen CVP werden massgeblich sein für die Erreichung folgender umweltpolitischer Ziele:
Massiver Ausbau der erneuerbaren Energien, verschärfte Standards für eine effiziente Energienutzung und eine CO2-Reduktion um 30% bis 2020, dank einer CO2-Abgabe auch auf Benzin und Diesel.
Besorgniserregend sind die Sitzgewinne der SVP, denn die VertreterInnen dieser Partei waren in der letzten Legislatur die grossen Klimaschutz-Verhinderer und benehmen sich bis heute so, als wäre der Klimawandel eine Erfindung von Wissenschaft, Umweltorganisationen und Medien.
Ob der absehbare, leichte Wahlerfolg der CVP auch dem Klimaschutz nützt, muss noch geprüft werden. Bisher hat die Partei vor allem Versprechen gemacht und diese nicht gehalten. In der für die Klimapolitik schicksalsträchtigen nächsten Legislatur ist die CVP gefordert, Mehrheiten zu schaffen für einen Klimaschutz ohne Wenn und Aber.
Greenpeace wird auch das neue Parlament an seine klimapolitische Verantwortung erinnern und einzig an seinen Taten messen.
Eine kleine und unvollständige Übersicht, über das was bis jetzt (Stand 17.00 Uhr) in der deutschsprachigen Blogosphäre zum Blog Action Day gebloggt wurde:
taxipluto schreibt über die Biosphärenparks der UNESCO.
Greenpeace-Untersuchungen haben ergeben, dass das iPhone von Apple zwei gefährliche Arten von Chemikalien enthält. Manche von diesen Substanzen wurden bereits von anderen Mobiltelefon-Herstellern aus der Produktion entfernt. Ein unabhängiges, von Greenpeace beauftragtes Labor hat in der Hälfte von insgesamt 18 internen und externen Teilen Beschichtungen entdeckt, die Bromid enthalten. So enthält die eingebaute Antenne grosse Anteile dieser gefährlichen Verbindung, die andere Hersteller längst durch umweltfreundliche Stoffe ersetzt haben. Auch auf PVC will Apple immer noch nicht verzichten, zum Bespiel in den Kopfhörern. Greenpeace fordert Apple auf, in seinen Produkten auf diese hochgiftigen Substanzen zu verzichten. Mehr zum Thema bei Greenpeace International
15. Oktober – Blog Action Day für die Umwelt. Ein weiteres Puzzlestück in einem Jahr voller Klimaschutz in allen Zeitungen und auf allen Kanälen. Al Gore und der ehemalige Weltbank-Chefökonom Nicolas Stern lieferten bereits im letzten Jahr mit einem Dokumentarfilm, respektive einem ökonomischen Report über die Folgen des Klimawandels wichtige Inputs. Im Frühjahr folgten die Teilberichte des UNO-Klimarates IPCC und Ende letzte Woche erhielt die IPCC und Al Gore gar den Friedensnobelpreis. Hä? Was soll Klimaschutz mit Frieden zu tun haben? Eine ganze Menge, werden doch durch die Klimafolgen regionale Konflikte um Wasser- und Nahrungsressourcen zugespitzt. Etliche Beispiele sind bereits Realität.
In meinem Umfeld spüre ich das breitere Klimawissen sehr deutlich. Die Sensibilisierung um den Klimaschutz könnte nicht breiter sein. Somit: Ende gut, alles gut? Mitnichten! Je mehr das Thema die Gesellschaft durchdringt, desto abstruser und unübersichtlicher werden die Klimaschutzvorschläge vor allem auch im Umfeld von denjenigen Kreisen, die bei einem wirkungsvollen Klimaschutz am meisten zu verlieren hätten: Die fossile Industrie. Man darf gespannt sein, welche Seite sich an der nächsten grossen Klimakonferenz in Bali ab dem 3. Dezember durchsetzen wird: Diejenigen, die sich gemäss den wissenschaftlichen Erkenntnissen für einen globalen Maximalausstoss an Treibhausgasen einsetzen und eine faire Lösung für alle suchen, oder diejenigen, die mit fragwürdigen Klimaschutz-Zertifikaten in erster Linie dafür sorgen, dass der Westen nicht von seinem hohen Pro-Kopf-Ausstoss abrücken muss.
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