Solar Energie für Afrika

Der von Andres Wirz, einem initiativen jungen Schreiner und Ex-Mitglied des Greenpeace SolarGeneration-Projekts, mitgegründete Verein Solafrica fördert den Aufbau einer Produktion von portablen Solarlampen in Kenia und deren Verkauf an Personen mit niedrigem Einkommen. Das Projekt startete im Juli 09 mit Jugendlichen im Kibera-Slum von Nairobi und mit Pfadi-Kursen in der Schweiz mit dem Ziel, hier “solares Lernen” zu fördern. Die Solarlampen werden in der Schweiz als fairtrade Produkte verkauft. Mit dem erzielten Gewinn sollen die Lampen für die Slumbewohner/innen verbilligt werden.

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So sieht eine fertige Solarlampe aus.

Das Pilotprojekt startete im August 2009 mit einer Solarausbildung von 15 Jugendlichen in Kibera. In diesem Rahmen werden 1500 portable Solarlampen aus Bauteilen aus der Schweiz zusammengebaut. Neben dem Verkauf in Kibera selbst wird ein Teil der Lampen in die Schweiz importiert und als Fairtrade-Produkt verkauft oder als Bausatz für Schulungszwecke in Workshops verwendet.

Ab 2011 sollen jährlich 3000-5000 Solarlampen produziert werden und in den nächsten 5 Jahren 500 Jugendliche zu Solar-Profis ausgebildet werden.

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Heute auf Arte: Der Film «Jagdzeit» über Greenpeace-Aktivisten in der Antarktis

Arte zeigt heute Abend um 20:15 Uhr einen Film über Greenpeace-Aktivisten, die in der Antarktis Wale schützen. In «Jagdzeit – Den Walfängern auf der Spur» begleitet ein Kamerateam die Aktivisten auf ihrer Schiffsreise und bei der Konfrontation mit japanischen Walfängern. Der Film kommt ohne grausame, blutige Bilder aus und zeigt, wie die Mannschaft mit den Herausforderungen des Eismeeres, Heimweh und Versagensängsten kämpft.

Regisseurin Angela Graas und ihr Filmteam fuhren von Dezember 2007 bis Februar 2008 auf dem Greenpeace-Schiff Esperanza mit.

Anfang Jahr hat die neue japanische Regierung bekannt gegeben, dass sie am Walfang festhalten will. Der japanische Aussenminister begründete die Entscheidung mit dem Interesse seiner Landsleute am Walfleischkonsum. Offiziell werden die Tiere jedoch zu wissenschaftlichen Zwecken getötet, weil der kommerzielle Walfang verboten ist. Insgesamt sollen bis März nächsten Jahres 935 Minkewale und 50 Finnwale geschossen werden.

Derzeit stehen in Japan zwei Greenpeace-Aktivisten vor Gericht, weil sie den Handel mit illegalem Wal-Fleisch aufgedeckt hatten. Die japanische Staatsanwaltschaft eröffnete im Februar ein Gerichtsverfahren gegen Junichi Sato und Toru Suzuki wegen angeblichen Diebstahls und Hausfriedensbruchs. Die beiden Greenpeace-Aktivisten Junichi Sato und Toru Suzuki wurden im Juni 2008 festgenommen, nachdem sie für die Aufdeckung eines Skandals rund um das japanische Walfangprogramm wichtiges Beweismaterial sichergestellt hatten. Ihnen drohen bis zu 10 Jahre Haft.

Greenpeace fordert von der japanischen Regierung ein sofortigen Stopp des sinnlosen Waltötens und die Einstellung des ungerechtfertigten Verfahrens gegen die Greenpeace-Aktivisten.

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Kumi Naidoo an den Public Eye Awards

Auch Kumi Naidoo, der neue Geschäftsführer von Greenpeace International, war an der gestrigen Preisverleihung in Davos.

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Die Public Eye Awards in Davos – Jetzt live

16:00 Uhr: Die Preisverleihung ist vorüber und somit auch die live Berichterstattung.

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Der «Public Eye»-Blogger-Ecken

Der «Public Eye»-Blogger-Ecken

Der Saal im Davoser Hotel Montana füllt sich langsam. Wir werden ab 14:00 Uhr auf diesem Blog die Preisverleihung live begleiten.

Bis gestern Mitternacht sind auf www.publiceye.ch über 20′000 Stimmen für den Publikumspreis eingegangen. Der «People’s Award» geht an Roche für die umstrittenen Forschungen mit dem Medikament «Cell Cept» in China.

Publikum und Medienleute an der Preisverleihung

Publikum und Medienleute an der Preisverleihung

14:10 Uhr: Bruno Heinzer von Greenpeace Schweiz und Oliver Classen von der Erklärung von Bern begrüssen das Publikum. Der Davoser Landammann Hans-Peter Michel tritt auf die Bühne. Er fordert mehr Dialog: «Die Mächtigen müssen mehr zuhören».

14:15 Uhr: Oliver Classen spricht den Hinterblibenen des verstorbenen Sicherheitschefs sein Beileid aus. Jürgen Trittin musste aus gesundheitlichen Gründen absagen. Auch Joseph E. Stiglitz kann nicht vor Ort sein. Grund: technische Probleme mit einer Flugmaschine der SWISS am New-Yorker JFK Flughafen. Er wird aber nächstes Jahr an der Preisverleihung teilnehmen.

Video Statement von Joseph Stiglitz

Video Statement von Joseph Stiglitz

14:18 Uhr: Als Ersatz für die Ansprache wird ein Videostatement von Joseph Stiglitz vorgeführt. Das ganze Video von Stiglitz auf YouTube.

14:35 Uhr: Das Programm findet ohne Pause statt. Oliver Classen bittet Julia Jentsch, die Moderatorin der Preisverleihung, auf die Bühne.

14:36 Uhr: Julia Jentsch: «Normalerweise wenn ich auf der Bühne stehe, spiele ich Theater – das ist heute nicht der Fall. Das Theater findet heute ein paar Hundert Meter weg von uns statt. An unserer Konkurrenzveranstaltung im Kongresszentrum.»

Julia Jentsch, Moderatorin der Preisverleihung

Julia Jentsch, Moderatorin der Preisverleihung

Julia Jentsch stellt die vier verschiedenen Awards vor: den «Global Award», den «Swiss Award», den «Greenwash Award» und den «People’s Award».

Zum «Gobal Award»: Auf der Shortlist standen der Stahlkonzern Arcelor Mittal, GDF Suez und die Royal Bank of Canada.

Gewinner ist die Royal Bank of Canada. Wie kein anderes Finanzinstitut ermöglicht die Royal Bank of Canada (RBC) den Abbau von Öl aus Teersand im kanadischen Alberta. Das schmutzigste Öl der Welt wird derzeit auf einer Fläche aus der Erde gepresst, die grösser ist als die Schweiz und Österreich zusammen. Die RBC investierte in den letzten zwei Jahren mit 20 Milliarden US-Dollar in die Teersand-Industrie. Die nominierende NGO «Rainforest Action Network» fordert die Bank auf, diese Investitionen stattdessen in grüne und erneuerbare Energien zu stecken.

14:47 Uhr: Brant Olson vom Rainforest Action Network tritt auf die Bühne.

Greis und Carlos Léal auf der Bühne

Greis und Carlos Léal auf der Bühne

14:54 Uhr: Public-Eye-Rapper Greis und ex-Sens-Unic-Mitglied Carlos Léal treten auf die Bühne. Eine kleine Weltpremiere «Teil vo dr Lösig» billingue. «Un autre monde est possible!»

14:59 Uhr: Und es geht rasant weiter. Auf der Shortlist für den «Swiss Award» steht Farner PR, für ihre Bespitzelung der GSoA. Das Internationale Olympische Komitee für die Enteignung von Ureinwohnern in Kanada. Zu schlechter Letzt: der Pharma Konzern Roche, welcher sich keinen Deut darum kümmert, woher die transplantierten Organe für ihre Studie in China stammen. Roche produziert das Medikament «CellCept», welches die Abstossung von transplantierten Organen verhindern soll.

Gewinner des Swiss Award: Roche.

Ein Ausschnitt aus einer BBC Reportage zum Organhandel in China wird gezeigt. Der grösste Teil der transplantierten Organe in China stammt von hingerichteten Gefangenen.

15:07 Uhr: Pascal Durisch tritt auf die Bühne.

Greis und Carlos Léal versprechen den Druck auf Roche aufrecht zu halten

Greis und Carlos Léal versprechen den Druck auf Roche aufrecht zu halten

15:15 Uhr: Greis tritt auf die Bühne und erzählt vom Erfolg des letzten «Swiss Award»: Die BKW zog sich nach mehrmaligem Nachhaken aus dem Kohlekraftwerkprojekt in Dörpen zurück. Greis verspricht, zusammen mit Carlos Léal, auch in diesem Jahr Druck auf den Preisträger zu machen.

Satiriker Patrick Frey als «Corporate Flexibility Advisor»

Satiriker Patrick Frey als «Corporate Flexibility Advisor»

15:17 Uhr: Patrick Frey tritt als «Corporate Flexibility Advisor» auf und gibt Roche Tipps, wie mit dem Preis umzugehen sei – Bitterbös!

15:27 Uhr: Der «Greenwash Award» geht an das «UNO CEO Water Mandate».

Weitere Nominierte für den Greenwash Award waren der Roundtable für nachhaltige Soja und die Gesundheitsförderung Schweiz.

Auch hier ist der eingeladene Vertreter des Award-Empfängers nicht anwesend. Eingeladen war Peter Brabeck, CEO von Nestlé. Stattdessen spricht Richard Girard von der nominierenden NGO Polaris Institute.

Richard Girard

Richard Girard

Richard Girard bittet den brasilianischen Wasser-Aktivisten Franklin Frederick auf die Bühne. Dieser erinnert an die Nestlé-Spitzelaffäre.

Last but not least: Der «People’s Award» geht, wie der «Swiss Award», an Roche. Dicht gefolgt auf Platz 2 steht GDF Suez für seine massgebliche Beteiligung am Bau des Jirau-Staudammes am Rio Madeira, Brasilien. Ungeachtet massiver Proteste der Zivilgesellschaft und der Umweltbehörden. Mehr zu diesem Fall auf publiceye.ch

Bruno Heinzer und Oliver Classen ziehen ein Résumé der Public Eye Awards. Allen voran wird Julia Jentsch verdankt. Gefolgt von den Public Eye Stammgästen Patrick Frey und Greis. Und natürlich Carlos Léal sowie den Laudatoren aus Kanada, den USA, Brasilien und Lausanne. Ein herzliches Danke an alle, die auf publiceye.ch abgestimmt haben und das Voting bekannt gemacht haben.

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Scheinwerfer auf ein Geheimtreffen

Gestern deckten wir zusammen mit unserem PublicEye-Partner, der Erklärung von Bern, das Geheimtreffen der Schweizer Wirtschafts- und Politelite mit einer nächtlichen Scheinwerfer-Aktion auf. Es war eine der aufregendsten und unwägbarsten Aktionen in meiner bald 14jährigen Greenpeace-Zeit: bis zur letzten Sekunde wussten wir nicht, ob die Firmenbosse, Bundesräte und Parteispitzen tatsächlich zum vermuteten Zeitpunkt im Nestlé-Tagungszentrum am Genfersee aufkreuzen würden. Die Zeit lief uns allmählich davon, dem vor Ort wartenden  TV-Team lief die Zeit davon, bald würde es zu spät werden für eine Ausstrahlung im 10vor10

Dann ging’s blitzschnell: ein Bus mit den illustren Gästen, die schwarze Limousine von Gastgeber und Nestlé-Chef Brabeck fuhren vor, die Filmequipe spurtete an den «Tatort» um Bilder und Interviews zu schiessen, die Greenpeace-Aktivisten starteten zeitgleich ihre  «Lightshow»: ein riesiger Beamer projizierte ein mehrere Meter grosses «Public Eye is watching you» an die Fassade des schlossähnlichen Geheimtreffpunkts. Ein Suchscheinwerfer glitt über das Gebäude, während von seiner Rückseite ein gewaltiger Lichtstrahl in den Himmel schoss.

Der nur zwei Stunden später ausgestrahlte Fernsehbericht dauerte rekordverdächtige 5 Minuten und die Steilvorlage wurde auch von anderen Medien, wie Blick-online am Tag danach aufgenommen. Doch nicht nur diese zwei Ziele, die wir uns gesetzt haben, wurden mehr als erfüllt. Bereits heute, nur ein Tag nach der Aktion, kommt Bewegung in den «Geheimbund».  Die SP-Parteispitze, obwohl auch zum Treffen eingeladen, distanziert sich im Blick-Artikel von der «Heimlichtuerei». Das erhöht nun den Druck auf die anderen Parteien.

PS: Haben Sie schon die übelste Firma für die den Publikumspreis der Public Eye Awards gewählt?

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Greenpeace Banner am Südpol

Als süssen Nachgeschmack unserer C2C-Aktionsreihe präsentieren wir hier das Resultat der Idee, den Bergsteigern bei der Gornergletscheraktion noch ein paar Handbanner mitzugeben.

Helmut Linzbichler aus Österreich ist fleissig unterwegs: Im August kreuzte sich sein Weg auf das Monterosa-Massiv mit einem unserer Aktivisten. Der überreichte ihm ein «OUR CLIMATE – YOUR DECISION» Handbanner. Fünf Monate später schickt er uns nun die beiliegenden Bilder vom Gipfel des Mt. Vinson (mit 4897m der höchste Gipfel in der Antarktis) und vom Südpol selbst.

Helmut Linzbichler ist mit einem Alter von 68 Jahren und 94 Tagen somit der älteste Mensch, der die sieben höchsten Berge aller Kontinente bestiegen hat. Gleichzeitig hat er dafür auch am längsten gebraucht, nämlich 39 Jahre und 342 Tage. Wir gratulieren Helmut ganz herzlich zu diesem Erfolg!

Ist ein Schweizer Banner jemals weiter herum gekommen? Für Greenpeace war dies bestimmt die südlichste Aktion die je stattgefunden hat, und die weiteste Reise eines Schweizer Banners (noch nicht bestätigt).

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Auch im 2010 schauen wir den Mächtigen auf die Finger

Die Klimakonferenz in Kopenhagen ist gescheitert und was übrig bleibt ist, dass unsere vier Aktivisten unter fadenscheinigen Gründen weiterhin in Untersuchungshaft sitzen. Mehr dazu hier. Aber wir lassen uns dadurch nicht aus der Ruhe bringen und decken auch im 2010 auf, welche Firmen und Politiker besonders verantwortungslos agieren.

the public eye awardsMit den Public Eye Awards setzen wir zusammen mit der Erklärung von Bern einen kritischen Kontrapunkt zum Weltwirtschaftsforum (WEF). Den unsozialsten und umweltschädlichsten Unternehmen des Jahres werden am 27.1.2010 in Davos vier Schmähpreise verliehen. Drei davon – in den Kategorien «Global», «Swiss» und «Greenwash» – werden von einer Fachjury vergeben. Der Gewinner des «People’s Award» wird auf dieser Website vom Publikum erkoren. Die Abstimmung läuft vom 14. bis 26. Januar. Mit diesen «Auszeichnungen» zeigen wir den Akteuren der Weltwirtschaft, dass Menschen und Umwelt verachtende Geschäftspraktiken Konsequenzen haben – für die davon Betroffenen, aber auch für das Firmenimage.

Bis das Voting startet, kannst du auf der publiceye.ch einen kleinen Blick hinter die Lügen-Fassaden werfen. Doch dazu brauchst du die Hilfe deiner (Facebook-)Freunden.

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Was 2009 nicht in die Medien kam: Gentech Experimente an Kindern

Es stimmt nachdenklich, dass es der neugeborene Nachwuchs von VIPs im Nu auf Titelseiten schafft, hingegen Kinder, die als als Versuchskaninchen für genmanipulierten Reis herhalten müssen, kaum eine Kurzmeldung wert sind. Ein klein wenig erfreulich ist hingegen, dass das US-Magazin «Time» jetzt eben dieser Vorfall auf der Top-Ten-Liste der «underreported Stories» erwähnt wird.

Fahler Beigeschmack, der nach der Lektüre dennoch hängen bleibt: Kinder, die hier als Versuchskaninchen der Gentech-Forscher fungieren müssen, sind leider nur die Spitze des Eisbergs! Gentech-Entwickler und -industrie peilen hier nämlich die Vermarktung einer Gentech-Reissorte an, die wie andere Gentech-Lebensmittel ein Gesundheitsrisiko für Konsumentinnen sind. Es ist nämlich kaum bekannt wie sich die Genmanipulation auf den Organismus und schlussendlich die inhaltsstoffliche Zusammensetzung einer Pflanze auswirkt. Ganz abgesehen von dem moralisch verwerflichen Ansatz, Kinder als Testobjekte zu benutzen wird auch die Kinder-Testserie keine Bedenken aus dem Weg räumen können; dazu bräuchte es langfristige unabhängige Forschung. Aber einmal ganz grundsätzlich? Ist die Entwicklung des genmanipulierten “Medizin-Reis” überhaupt nötig? Nein. Genau dies kann einen die Propaganda der Gentech-Industrie aber glauben machen: dass es den Gentech-Reis brauche, um Vitamin-A-Mangel bekämpfen zu können. Elegant lenkt die Gentech-Lobby von Initiativen wie solche der WHO ab, die sich der Problematik billiger und bereits erfolgsversprechend annehmen. Solche ohne Gesundheitsrisiken, notabene. Wo eine vielseitige Ernährung gefördert oder Vitamin-A-Mangel gezielt mit Vitaminzugaben behandelt wird.

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Game over!!!

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Alex Hauri, Greenpeace Campaigner

Würde es nun heissen, wenn Kopenhagen ein Computerspiel gewesen wäre. Das letzte „Leben“ wäre verloren. Nur ein Score von 0.0770 wäre noch auf dem Bildschirm. Ein superschlechter Score ist das Resultat von Kopenhagen. Die Konferenz hat nie das für einen Sieg notwendige Level erreicht. Spielerpech?

Es ist kein Computer-Spiel, das da eben zu Ende ging. Vielmehr sind der Klimawandel und seine Auswirkung bereits bittere Realität für Millionen von Menschen. Die Gefahren für die Zukunft sind real und genau dokumentiert. Alle Staatschefs wissen das.

Genau diese Staatschefs haben es Kopenhagen verpasst, eine wirkungsvolle Reaktion zu zeigen. So läuft uns die knappe verbleibende Zeit ungenutzt davon. Betroffen sind zuerst die Menschen in den ärmeren Ländern: Ihnen wird dieser Scherbenhaufen überlassen. Das ist beschämend und traurig. Aber dann werden sich auch die Auswirkungen auf die Schweiz und die Schweizer gnadenlos bemerkbar machen und unseren Nachkommen das Leben sehr schwer machen.

Nationale Interessen, kurzfristiges Denken, wirtschaftliche Ausreden haben zu diesem globalen Drama geführt.

Und jetzt? Für das Klima sieht es rabenschwarz aus. Die Wahrscheinlichkeit, den Klimawandel auf unter 2°Celsius zu begrenzen, ist stark gesunken. Jetzt ist der Moment gekommen, zu Hause rasch zu handeln. Hier in der Schweiz ist das Klimaheft entschieden in die Hand zu nehmen und blitzartig ein wirkungsvolles Klimagesetz zu erlassen. Nicht zuletzt, um in Kürze auf internationalem Parkett eine bessere Figur machen zu können und den Prozess vorwärts bringen zu können. Jede Verzögerung oder Verwässerung ist blind und verantwortungslos. Die Zeit zu handeln ist jetzt, für die Zukunft aller!

PS: Nein, ich bin kein Computer-Spiel-Freak. Die winzige Zahl 0.0770 entspricht ungefähr der CO2-Konzentration in der Atmosphäre in Prozent, wenn wir so weitermachen, wie es eben in Kopenhagen geschah (http://weblogs.greenpeace.ch/blog/2009/11/25/countdown-to-copenhagen-k-12/). Die zugehörige Klimaerwärmung wird heute auf plus 3 Grad geschätzt. Obwohl das klein erscheinen mag – es reicht für eine endlose Kette von Katastrophen. Die Zahl der daraus folgenden Klimaschäden wird unermesslich sein.

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Kopenhagen – der nächtliche Entscheid?

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Kaspar Schuler, Co-Geschäftsleiter Greenpeace Schweiz, aus Kopenhagen

19:00 Uhr: Draussen auf dem Rathausplatz hämmert eine Rockband für die tapfer ausharrenden, x-tausend UmweltaktivistInnen. Eine Mitarbeiterin hat mir soeben angerufen und erleichtert aber auch verärgert mitgeteilt, dass sie erst nach 8 Stunden Haft von der dänischen Polizei wieder freigelassen wurde. Ein begründeter Verhaftungsgrund ist nicht erkennbar: Sie war in einem Auto unterwegs.

Heute Morgen bereits hatte die Polizei den alten Greenpeace-Bus vor dem Konferenzzentrum eingekreist und alle sich dort aufwärmenden HelferInnen blockiert. Ausgiebige Gespräche und der Hinweis, dass sie genau jene Freiwilligen blockieren, die ihnen jeden Morgen heissen Kaffee servieren, fruchteten nichts. Erst nach der Intervention eines dänischen Anwaltes zogen die Ordnungshüter wieder ab.

20:15 Uhr: Draussen im Konferenzzentrum wird eine Medienkonferenz der Länder USA, China, Südafrika, Frankreich und Indien angekündigt. Es könnte wenigstens der Durchbruch für dieses Meeting sein, wenn diese Industrie- und Schwellenländer wenigstens etwas halbwegs Taugliches ausgehandelt haben.

21 Uhr: Es heisst, Medwedew sei bereits abgereist, und auch andere Delegationen rüsteten sich zum Aufbruch. Viele VertreterInnen der Entwicklungsländer seien frustriert. Die Medienkonferenz der Mächtigen lässt derweil weiterhin auf sich warten.

Zudem wird vermutet, dass es nur noch um ein drei- oder vierseitiges Papier gehen wird, das nichts weiter als politische Absichtserklärungen enthalten wird.

21:45 Uhr: Keine weiteren Neuigkeiten, kein Start der Medienkonferenz.

Vielleicht hatte Matthias Claudius alles zu Kopenhagen bereits gewusst, als er ‚der Mond ist aufgegangen’ dichtete:

Wir stolzen Menschenkinder

sind eitel arme Sünder

und wissen gar nicht viel

wir spinnen Luftgespinste

und suchen viele Künste

und kommen weiter von dem Ziel

Aber wäre es nicht grauenhaft betrüblich, gingen neben der im ganzen Universum vielleicht einzigartigen Artenvielfalt und all der berauschenden Schönheit der Natur auf der Erde auch jene verloren, die so wunderschön dichteten – und noch heute diesen Gedichten lauschen?

22:06 Uhr: Der Spiegel meldet, eine Art Vereinbarung, die kein Land wirklich befriedige, sei von 25 Ländern akzeptiert, primär sei sie unter Barack Obama/USA, Wen Jiabao/China und Manmohan Singh/Indien zustandegekommen. Es sei eine politische Erklärung und kein rechtlich verbindliches Abkommen.

22:14 Uhr: Jetzt ist eine Medienkonferenz der EU angesagt. Die andere, auf die alle warteten, die mit Obama und Wen Jiabao, ist abgesagt.

22:30 Uhr: Obama hält eine Medienkonferenz in Kopenhagen, sie wird aber nur über die Website des Weissen Hauses – und nur mit Ton, ohne Bild – veröffentlicht. „Copenhagen will not be the end, rather the beginning.“ Substantielles ist nicht enthalten, die einzige Zahl ist ein Bekenntnis zur maximalen Erwärmung von +2°C.

Jedes Land werde nun seine freiwilligen CO2-Reduktionen in einem Annex zur Vereinbarung veröffentlichen, was dann analysiert und zusammengerechnet werden könne.

Er wiederholt immer wieder, dass es wissenschaftliche Fakten seien, die es zu respektieren gäbe.

Immerhin bekennt Obama mit dem Blick auf das eigene Land, dass die Situation für die USA schwierig sei, hätten sie doch für Jahre nicht an den Verhandlungen teilgenommen und das Kyoto-Protokoll nicht unterzeichnet. Und auch, dass sie jetzt eine grüne Wirtschaft nicht aus dem Boden stampfen können.

Schliesslich gesteht er ein, dass die Länder auf etwas viel Verbindlicheres sich einigen sollten, dass das jedoch nicht zu erreichen gewesen sei.

Das Dokument sei noch nicht fertig, doch das meiste stehe jedoch, müsse noch verfeinert werden und könne dann unterschrieben werden. Aber legal verbindlich sei es jedoch nicht. „Thanks guys.“ Und das war’s.

Kann es das gewesen sein?

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